Homo cogitans – Warum unser Artname der größte Etikettenschwindel der Evolution ist

Homo cogitans – Warum unser Artname der größte Etikettenschwindel der Evolution ist

Haben Sie sich in letzter Zeit mal umgeschaut? In den USA lagern Menschen aus purer Paranoia vor dem Staat halbautomatische Sturmgewehre ungesichert auf dem Küchentisch, bis das eigene Kleinkind drankommt – im Namen der „Freiheit“. In Deutschland fordern dieselben Bürger, die aus Datenschutzgründen jede Kamera am Hauptbahnhof als „Diktatur“ bekämpfen, empört den Rücktritt der Polizei, wenn genau dort ein Verbrechen passiert und es keine Täterfotos gibt. Es ist das klassische Prinzip: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“

Gleichzeitig kreisen private und militärische Satelliten im Weltall, die zentimetergenau das Kleingedruckte einer Münze in Ihrer Hand entziffern können, während Sie im Garten Kaffee trinken. Da schreit komischerweise niemand nach Anonymität.

Wenn man sich diesen alltäglichen, globalen Wahnsinn anschaut, wird schnell klar: In den Köpfen der Menschheit regiert eine ziemlich bunte Knete. Und genau das führt uns zu einer der größten Lügen der Wissenschaftsgeschichte: Unserem eigenen Namen.

Der Irrtum von 1758

Seit der schwedische Naturforscher Carl von Linné uns 1758 klassifiziert hat, schleppen wir stolz die Bezeichnung Homo sapiens mit uns herum – der „weise“ oder „verständige“ Mensch. Schön wär’s. Als dieser Stempel erfunden wurde, war die Elite betrunken vom Geist der Aufklärung und hielt sich für die unfehlbare Krone der Schöpfung.

Aus heutiger Sicht ist dieser Name jedoch reine wissenschaftliche Arroganz und ein moralisches Wunschdenken. Weisheit ist keine biologische Eigenschaft. Man kann sie nicht im Labor nachweisen. Es gibt kein „Weisheits-Meter“ und keine Maßeinheit für Vernunft. Und die empirische Realität auf unserem Planeten widerlegt diesen Hochmut jeden einzelnen Tag.

Das Problem mit den moralischen Etiketten

Natürlich gibt es auch in der modernen Wissenschaft Versuche, diesen Etikettenschwindel zu korrigieren. Der australische Forscher Julian Cribb schlug beispielsweise Homo suicidalis (der selbstzerstörerische Mensch) vor, weil wir unsere eigenen Lebensgrundlagen ruinieren. Die Universität Cambridge warf Homo astutus (der schlaue/clevere Mensch) in den Ring.

Doch beide machen denselben Fehler wie Linné: Sie verteilen emotionale Noten.

Homo suicidalis ist falsch, weil sich die Spezies nicht kollektiv suizidal verhält. Jedes Kita-Kind, das sich nach acht Stunden Sandkasten pflichtbewusst die Hände wäscht, um keine Viren zu übertragen, beweist reine Selbsterhaltungslogik. Und Homo astutus? Welcher wirklich schlaue oder clevere Mensch baut bitteschön Atomwaffen und lagert sie nach dem Prinzip der „garantierten gegenseitigen Zerstörung“? Das ist keine Schlauheit, das ist eine intellektuelle Sackgasse. Kein Tier der Erde würde jemals eine Waffe bauen, die die eigene Art vernichtet.

Was also sind wir wirklich? Wie viel „Clever“ sind denn bitteschön ein Kilo-Ohr? Eben. Man kann die Auswirkungen unseres Verhaltens sehen, aber die Qualität der Gedanken lässt sich nicht in physikalische Maßeinheiten gießen.

Die einzig wahre Alternative: Homo cogitans

Wenn wir die moralische Arroganz abstreifen und uns auf die nackte, messerbare Naturwissenschaft verlassen, gibt es nur eine einzige, korrekte Bezeichnung für unsere Spezies: Homo cogitans – der denkende Mensch.

Das Denken (Cogitare) ist der kleinste gemeinsame Nenner der Menschheit. Es ist eine unumstößliche, physikalische Tatsache. Wir können Elektroden an den Schädel kleben und die Gehirnwellen im EEG in Hertz (Hz) messen. Wir können im MRT den Glukoseverbrauch der Synapsen zählen, wenn das Gehirn im Dauermodus feuert.

Das Denken wertet nicht. Es unterscheidet nicht zwischen Gut und Böse, zwischen genial und absolut bescheuert. Der Mörder, der seine Waffe ungesichert herumliegen lässt, denkt (er plant, er kauft das Werkzeug). Der Arzt, der danach das Kind rettet, denkt ebenfalls. Der Physiker, der die Atombombe berechnet, denkt hochkomplex – und der Friedensaktivist, der dagegen demonstriert, auch. Das Denken ist unsere Hardware. Was wir als Software daraus machen, ist eine andere Geschichte.

Die Falszifizierung des Lebens

Nach den strengen Regeln der Wissenschaftstheorie ist eine Definition nur dann gültig, wenn sie sich auch falsifizieren – also widerlegen – lässt. Und genau das macht den Homo cogitans so elegant.

Die Falszifizierung des denkenden Menschen ist das Nichtdenken. Die absolute Null-Linie im EEG (0 Hz). Der Hirntod ist die exakte biologische Grenze, an der die Frequenzen aufhören zu fließen und das Leben zum Stillstand kommt. Wo keine Frequenz mehr messbar ist, löst sich der Homo cogitans biologisch korrekt auf.

Fazit: Zeit für ein neues Lehrbuch

Es wird Zeit, dass die Wissenschaft ihre traditionelle Sturheit ablegt und einfordert, was sie sonst überall predigt: Sachliche Korrektheit. Wir sind nicht weise, wir sind oft nicht einmal schlau. Wir sind eine Spezies, die biologisch darauf programmiert ist, ununterbrochen Synapsenfeuer zu prodozieren.

Niemand geht heute zum Bäcker und sagt: „Hier bin ich Homo cogitans, hier darf ich sein!“ Aber für die Lehrbücher wäre es die einzig ehrliche und wertfreie Wahrheit. Wir sind die Denker. Und solange die Frequenz fließt, sollten wir verdammt noch mal anfangen, das Denken ab und zu in echtes Erkennen zu verwandeln.

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